Kolumne April 2017

Es ist kein Aprilscherz. Kaum ein Tag vergeht, an dem Recep Tayyip ERDOGAN nicht gegen uns austeilt. Der türkische Präsident hat im Wahlkampf in der Westtürkei an die Auslandstürken appelliert: "Macht nicht drei, sondern fünf Kinder, denn ihr seid die Zukunft Europas. Ist es nicht so? Das wird die beste Antwort sein, die ihr auf die Unverschämtheiten, Feindseligkeiten und Ungerechtigkeiten (...) geben könnt." - Der Islam kommt, um Europa zu erobern. Meine Frage: Finden die türkischen Kriege demnächst im Kreißsaal statt?

Essen, GRÜNE HAUPTSTADT Europas, ein schöner Titel! Doch der Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel MOSER sagt: "Essens Luftqualität ist immer noch eine Katastrophe, der Titel GRÜNE HAUPR'TSTADT ist eine Mogelpackung." Da ist die Stadt Essen aber sehr unsensibel. Einerseits überlegt sie hierzu ein politisches Nachspiel, andererseits fällt sie zur gleichen Zeit gegen den Willen der Holsterhauser Bürger entlang der Hufelandstraße, gegenüber dem Universitätsklinikum 16 gesunde Bäume, um mehr Parkplatz zu schaffen. Und das, obwohl gegenüber das neue Parkhaus des Uni-Klinikums, für das viele Bäume gefällt wurden, nicht ausgelastet ist. Sauerstoffspendende gesunde Straßenbäume werden gefällt. Und das im Jahr der GRÜNEN HAUPTSTADT? Damit nicht genug, die Kettensägen kreisen in jedem Ortsteil. Im Schlosspark Borbeck, auf der Margarethenhöhe und am alten Rathaus Rellinghausen wird immer noch über die Fällung der Naturdenkmäler, alte Linden und am Haumannplatz über Ahornbäume, diskutiert. In anderen Städten wird den Bäumen im Stadtbild viel mehr Platz gegeben, bei uns geht es immer nur um die Radwege und Parkplätze. Ich finde das würdelos, wie in unserer Stadt mit gesunden Bäumen umgegangen wird. Im Grugapark werden Baumpatenschaften vergeben und vor der Tür werden die Bäume gefällt. Sollen wir Bürger das so hinnehmen? Es wird immer nur auf die Wurzeln verwiesen, auf Baumkronen, oder man schiebt immer noch das Sturmtief ELA vor. Ein Baum kann sich, genau wie wir Menschen, auch wieder erholen. Warum darf ein Baum in Essen nicht sein natürliches Alter erreichen? Schauen Sie bei Google Maps nach, wieviel Grün unsere Stadt schon verloren hat. Muss das sein? Außerdem verschwindet die biologische Vielfalt, insbesondere in den Wäldern, was wiederum vielen Tieren den Lebensraum nimmt. Der höchste Baum Deutschlands steht in Freiburg und hat sogar einen Namen: WALTRAUT ist über 100 Jahre alt, 66,58 m hoch und wurde vor 104 Jahren als dreijähriger Setzling gepflanzt. Bäume werden in unzähligen Volksliedern besungen. Der Baum stellt Leben dar und wird in Essen rücksichtslos gefällt. Man investiert nur noch in Radwege und fällt gesunde Bäume für Parkplätze. Geht's noch? Hier kann ich nur den Refrain eines Songs wiedergeben: Mein Freund, der Baum, ist tot. Er fiel im frühen Morgenrot. Du fielst heut früh, ich kam zu spät, du wirst dich nie im Wind mehr wiegen, du musst gefällt am Wegrand liegen, und mancher, der vorübergeht, der achtet nicht den Rest von Leben...

Beim aktuellen Städte-Ranking ist Essen auf dem drittletzten Platz gelandet. Hier ein Blick von mir in die GRÜNE HAUPSTADT EUROPAS - Essen 2017. Die Verkehrsinseln sind mit Unkraut und Löwenzahl überwuchert, Bürgersteige sind verschmutzt, die Füße der Bäume werden nicht vom Unkraut und Wildwuchs befreit, sondern dienen als Hundetoiletten, die Verkehrsschilder sind vor Dreck nicht mehr lesbar. Vororte im Süden werden zwar regelmäßig oberflächlich gereinigt, aber fahren Sie mal mit offenen Augen z.B. durch den Ortsteil Altendorf. Der Löwenzahn hat mit Unkraut Hochkonjunktur. Die Straßen werden notdürftig geflickt. Buckelpisten überall. Unsere Stadt ist ungepflegt.

Die Wittenbergstraße jedoch wurde nach der Beseitigung der Spurbusstrecke in kürzester Zeit saniert. Wer saß denn da am Schreibtisch? Die Fahrbahn wurde vor Jahren für einen Radweg auf beiden Seiten verkleinert. Jetzt gab es die Chance, die zweispurige Straße auf ihre alte Breite zurückzuführen und den Radweg zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Was wurde gemacht? Mittig 50 neue Bäume gepflanzt, obwohl links und rechts der ganze Stadtwald voll mit Bäumen ist; und die Fahrbahn bleibt weiterhin eng. Neues aus "Schilda"? In der Heisinger Aue werden 750 Bäume neu gepflanzt, diese Aufforstung soll die Artenvielfalt von Fauna und Flora sichern. Wer sichert denn den Baumbestand in dichtbesiedelten Wohngebieten und bezieht die Bürger mit ein? Müssen Anwohner erst klagen, um Bäume vor der Fällung zu retten? Das zuständige Verwaltungsgericht Gelsenkirchen wendete im März einen Kahlschlag ab: Zwei etwa 100 Jahre alte Platanen in Schonnebeck und drei große Birken in Werden durften nicht gefällt werden. Fazit: Bäume dienen der Umwelt und der Gesundheit des Menschen. Die GRÜNE HAUPTSTADT ist im Hinblick auf gute Luft und Sauberkeit eine Farce. Ich fordere ein Mitspracherecht der Anlieger und Bürger in ihren Stadtteilen. Das Vorgehen der Verantwortlichen ist völlig unsensibel und geht am Bedarf und Wunsch der Menschen in unserer Stadt leider vorbei.